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Unter Strom


24. Februar 2009 | Von | Kategorie: Humor, Mensch und Pferd

Es gibt nicht wenige, die hart arbeiten müssen, um ihre Familie und das ‘Ferd zu ernähren. Das ist in Ordnung und durchaus ehrenwert. Manchmal nimmt der Stress oder die Hektik, die dabei im Umgang mit dem ‘Ferd entsteht, allerdings ganz erhebliche Ausmaße an.
Oh, da seh’ ich ihn gerade wieder aus dem Auto steigen, na sagen wir lieber hechten. Das kann er erstaunlich gut, trotz seiner nicht unbedingt zierlichen Gestalt. Also eigentlich müsste er doch spindeldürr sein bei diesem Lebenswandel und bei diesem Energieumsatz bedingt durch ständige Mobilität. Die Autotür fliegt fast zeitgleich mit dem Aussteigen zu. Was für’n Glück: Die Finger hat er sich trotzdem nicht eingeklemmt! Schon läuft er mit energischen und strammen Schritten den Hof runter, schaut dabei nicht links, nicht rechts und grüßen will er auch wieder mal nicht. Na ja, er macht das ganz rationell eben nur bei denjenigen, mit denen er regelmäßige pferdeorganisatorische Absprachen hat oder den Stallbesitzern gegenüber, denn das gehört sich schließlich so.

Also den Anstand hat er, selbst in der größten Hektik und die andern Leut’ … ja nun: „Bisher ist ja noch keiner der verschmähten an seiner vermeintlich willfährigen Ignoranz gestorben“, wie dieses Verhalten einmal wörtlich kommentiert worden war.

Als nächstes wird das ‘Ferd rausgeführt, aber selbstverständlich mal wieder nicht im Schritt, nein es trabt dem vorauseilenden Besitzer hinterher, wird also hinterhergezogen und unmittelbar nach einer scharfen Linkswendung mit einer routinierten Handbewegung sofort am Putzplatz angebunden. Dann wird binnen zehn bis fünfzehn Minuten sauber gemistet, getränkt und das ‘Ferd geputzt.

Auch das sich anschließende Reiten auf dem Reitplatz scheint heute mal wieder im Zeitraffer abzulaufen. Bis andere mit dem Leichttraben fertig sind, ist derjenige schon wieder ganz und gar mit allem fertig.

Schon heißt es wieder: „Tür frei“, „Klack, klack“ (die Stangen fallen), dann ein „klack, klack, klack, klack“ (das ‘Ferd tippelt hinterher), dann hört man ein kurzes „Steh“, Sattel runter, Trense runter, das ‘Ferd unangebunden stehen lassen, damit keine wertvolle Zeit verloren geht, mit den Reitutensilien zurück in die Sattelkammer stürzen, Schrank auf, mit fliegenden Händen zeitgleich Sattel, Trense, Gerte, Hut, Handschuhe und sonstiges verstauen. Schrank zu, dann das ‘Ferd mit einer Hand in die Box schicken, mit der anderen Zaun schließen, Licht aus, zum Auto stürzen … oh jetzt muss ich selbst erst mal wieder Luft holen, sonst krieg’ ich bald einen Herzinfarkt, wenn ich mich da so intensiv rein denke und so allmählich auch schon selbst förmlich unter Strom stehe.


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